Das universitäre Prüfungsgespräch

Das universitäre Prüfungsgespräch oder einfach die mündliche Prüfung, wie sie auch häufig im universitären Alltag genannt wird, gehört neben der wissenschaftlichen Hausarbeit zu einer weiteren besonders wichtigen Prüfungsform. Sie wird nicht nur während des Studiums als Modulabschlussprüfung notwendig, sondern ist ein Teil der Anforderung in der Bachelor- und auch Master-Abschlussprüfung bzw. dem entsprechenden Abschlussmodul.1) Eine mündliche Prüfung lässt sich während des Studiums nicht umgehen und daher ist es umso relevanter, diese Prüfungsform genauer kennen zu lernen.

Was ist die mündliche Prüfung? Sie definiert sich in einem funktionalen Teil als Prüfungsform und in einem dialogischen Teil als Gespräch. Die Anforderungen zeigen sich in der Feststellung von Wissen, erlernten Kenntnissen, der eigenen Auffassungsgabe und der damit verbundenen Anwendungsfähigkeit sowie der Leistungsfähigkeit im Allgemeinen. Die mündliche Prüfung dient somit als Wissenskontrolle.2)

Vorbereitung und Planung

Die Vorbereitung, zeitliche Planung und der lerntechnische Aufwand eines Prüfungsgesprächs ist mit der einer wissenschaftlichen Hausarbeit zu vergleichen.

Folgende Schritte sollten dabei beachtet werden:

  • Sprechstundenbesuch bei dem jeweiligen Prüfer zur Anmeldung der Prüfung und zur Absprache eines Prüfungstermins, eines möglichen Prüfungsthemas und dessen Gliederung, eines eventuellen Thesenpapiers und dessen Umfang, möglicher Literatur, etc.
  • Konkretisierung des Prüfungsthemas und der entsprechenden Fragestellung. Dabei sollte, ähnlich wie bei der wissenschaftlichen Hausarbeit, die Gliederung bzw. der Aufbau entwickelt werden.
  • Sichtung vorhandener Literatur, bspw. anhand der Seminarunterlagen, auf entsprechenden Onlineplattformen (z.B. Moodle oder Blackboard) hochgeladene Dateien, Einführungsliteratur; Recherche weiterer Literatur mit den üblichen Hilfsmitteln (Fachdatenbanken usw.)-
  • Das Exzerpieren der gefundenen Literatur hilft beim systematischen und zielgerichteten Erfassen der Literatur. Es bietet eine Basis für die anschließende Formulierung der Thesen, die (je nach Absprache mit dem Prüfer) zum Leitfaden der Prüfung werden.
  • Im Gegensatz zur wissenschaftlichen Hausarbeit muss dieses Wissen nun so verinnerlicht werden, dass der Prüfling in der Lage ist, es entsprechend abrufen und anwenden zu können.3)

Prüfungen als Gespräche

Das Prüfungsgespräch findet zwischen dem Prüfer und dem zu prüfenden Kandidaten statt. (Möglicherweise sind zusätzlich Protokollanten, Beisitzer und/oder mehrere Prüfer anwesend.) Diese Konstellation beweist sich aus unterschiedlichen Gründen als asymmetrisch: Zum einen obliegt dem Prüfer die Aufgabe der Moderation und der Lenkung der Prüfung anhand von Fragestellungen. Zum anderen besteht die Asymmetrie in der Wissensverteilung zwischen dem Prüfer und dem zu prüfenden Kandidaten, da der Prüfer über mehr Wissen bzgl. des Themas oder des Problems verfügt. Anhand dieser Tatsache verteilen sich die Gesprächsrollen ebenfalls asymmetrisch.

Das asymmetrische Wissensverhältnis zwischen Prüfer und Prüfling ist offensichtlich, dennoch besteht der Anspruch einer fachwissenschaftlichen und -sprachlichen Kommunikation innerhalb des Prüfungsgesprächs. Auf eine fachbezogene und wissenschaftliche Fragestellung des Prüfers wird nicht nur hinsichtlich des Inhalts, sondern auch der sprachlichen Gestaltung eine angemessene Antwort erwartet. Dies beinhaltet die Kenntnis, Anwendung bis hin zum Wissen über die Herkunft fachbezogener Termini und ist wichtiger Gegenstand der Prüfungsbewertung.4)

Das Prüfungsgespräch ist, vergleichbar mit einem Gespräch, ein Prozess, der sich dynamisch entwickelt und somit subjektive Momente hat. Besonders zu beachten ist dabei die Beantwortung der ersten Frage. Diese vermittelt dem Prüfer einen bleibenden und somit wichtigen Gesamteindruck, der nur schwerlich berichtigt werden kann.5)

Das Prüfungsgespräch lässt sich in drei Phasen einteilen:

  • Einleitungsphase: Begrüßung, Vorstellung der Prüfungskommission, Feststellung der Identität des zu prüfenden Kandidaten und dessen Gesundheitszustand bzgl. der Prüfung, evtl. kurzer Smalltalk zur Auflockerung der angespannten Prüfungssituation.
  • Kernphase: Die Wissensstandabfrage des Prüflings wird anhand eines Gesprächs analysiert. Der Prüfer dirigiert das Prüfungsgespräch (ggf. auf Basis eines vorher eingereichten Thesenpapiers) in eine bestimmte thematische Richtung, auf die der zu prüfende Student entsprechend eingeht.
  • Abschlussphase: Das Ergebnis der mündlichen Prüfung wird, i.d.R. nach kurzer Beratung mit der Prüfungskommission, dem nun Geprüften unmittelbar mitgeteilt. 6)

Dauer von mündlichen Prüfungen

  • mündliche Prüfung als Modulprüfung zum Proseminar: 15-30 Minuten, ein bis zwei Themen
  • mündliche Prüfung als Modulprüfung zum Hauptseminar B.A.: 15-30 Minuten, ein bis zwei Themen
  • mündliche Prüfung als Modulprüfung zum Hauptseminar M.A.: 30 Minuten, ein bis zwei Themen
  • mündliche Prüfung als B.A.-Prüfung: 30 Minuten, zwei hinreichend unterschiedliche Themen eines Teilfachs (GPO vor 2016)
  • mündliche Prüfung als Modulprüfung im Abschlussmodul B.A.: 30 Minuten, zwei hinreichend unterschiedliche Themen eines Teilfachs (GPO 2016)
  • mündliche Prüfung als M.A.-Prüfung: 45 Minuten, drei hinreichend unterschiedliche Themen des Teilfachs (GPO vor 2016)
  • mündliche Prüfung als Modulprüfung im Abschlussmodul M.A.: 45 Minuten, drei hinreichend unterschiedliche Themen des Teilfachs (GPO 2016)

Literaturverzeichnis

Techtmeier, Bärbel (1998): Fachtextsorten als Wissenschaftssprachen VII: das Prüfungsgespräch. In: Hoffmann, Lothar/Kalverkämper, Hartwig/Wiegand, Herbert Ernst (1998) (Hrsg.): Fachsprachen. Languages for Special Purposes. Ein internationales Handbuch zur Fachsprachenforschung und Terminologiewissenschaft. Berlin/New York (= Handbücher zur Sprach- und Kommunikationswissenschaft HSK 14.1).


Text: Laura Essig

1) Vgl. auch hier.
2) Vgl. Techtmeier (1998:517).
3) Informationen zu möglichen Lern- und Organisationsstrategien gibt es hier.
4) Vgl. Techtmeier (1998:520).
5) , 6) Vgl. Techtmeier (1998:518).
 
reader/08.txt · Zuletzt geändert: 2017/02/06 10:32 von haendel
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